World Matchplay: Van Gerwen vorgeführt, knappes Aus für Clemens und Suljovic

Mittwoch, 22. Juli 2020 00:10 - Dart News von dartn.de

Simon Whitlock bestrafte jeden Fehler von Michael van Gerwen.

Nach dem vierten Tag des World Matchplay stehen vier Viertelfinalisten fest und Michael van Gerwen gehört nicht dazu. Er verlor deutlich gegen Simon Whitlock. Gabriel Clemens machte ein gutes Spiel, aber es reichte nicht ganz, um Krzysztof Ratajski auszuschalten. Eine große Enttäuschung erlebte Mensur Suljovic, der sich in der Verlängerung Michael Smith geschlagen geben musste und dabei einen Vorsprung verspielte. Gary Anderson siegte im Duell der erfahrenen PDC-Veteranen gegen James Wade. Zu Beginn des Abends hatte Dimitri van den Bergh den Ambitionen von Nathan Aspinall ein Ende bereitet und war als letzter Spieler in die zweite Runde eingezogen.

Van den Bergh in fast allen Bereichen überlegen

Ungefähr so muss sich Dimitri van den Bergh sein Matchplay-Debüt vorgestellt haben. Der zweifache Jugend-Weltmeister war von Anfang an gut unterwegs und baute gerade nach der ersten Pause seinen Vorsprung entscheidend aus. So landete er einen 10:5 Erfolg über Nathan Aspinall, der gerade das Scoring nicht konstant abrufen konnte. Ein paar hohe Finishes des Gegners taten ihr übriges.

Van den Bergh leistete sich zunächst mit eigenem Service vier Fehlwürfe auf die Doppel, korrigierte aber gut in 13 und 14 Darts für eine 2:1 Führung. Aspinall konterte in 13 zum Gleichstand, danach stimmten aber die Scores nicht und van den Bergh reichte ein 16-Darter zur Pausenführung. Anschließend blieb der Belgier der bessere Spieler und untermauerte das durch zwei 13-Darter zum 5:2. Aspinall verfehlte im achten Leg Tops für Shanghai und der Kontrahent nutzte auch diese Vorlage in 14 Darts. Als nächstes patzte van den Bergh dann doch mal wieder beim Checkout, woraufhin "The Asp" in 14 Darts zurückbreakte. Eine vergebene Möglichkeit im zehnten Leg wurde allerdings ziemlich teuer, da van den Bergh dieses Mal 103 zum 7:3 auswarf. Aspinall versuchte noch einmal die Aufholjagd in 14 Darts einzuleiten, verpasste wenig später jedoch 157 und nun finishte der Herausforderer 156. Ein 16-Darter bedeutete bereits das 9:4, ehe Aspinall noch einmal in 14 Darts seinen Wurf hielt. Zum Abschluss reichte van den Bergh ein 17-Darter, der zweite Matchdart landete in der Doppel-16.

Suljovic verliert bittere Partie der Gegensätze

9:6 hatte Mensur Suljovic bereits vorne gelegen, doch er schaffte es nicht, das Aufeinandertreffen mit Michael Smith zu seinen Gunsten zu entscheiden. Am Ende unterlag er im Tiebreak unglücklich 12:14. Beide Spieler präsentierten sich gerade beim Scoring wechselhaft, Suljovic' Konstante war bis kurz vor Schluss eine herausragende Doppelquote. Doch gerade, als es in der Verlängerung darauf ankam, zeigte der 48-jährige entscheidende Schwächen. Smith steigerte sich nach einer schwachen Anfangsphase und hätte das Geschehen vielleicht schon früher in seine Richtung lenken können, wenn die Doppel besser gekommen wären. Doch auch so wird ihm dieser Triumph viel Selbstvertrauen geben, denn Englands Nummer Zwei hat Moral bewiesen.

Suljovic legte in 10 Darts einen Traumstart hin und erhöhte in 17 zum 2:0. Smith scorte im dritten Leg erstmals angemessen, verwarf jedoch zwei Möglichkeiten zum Rebreak und geriet durch einen 17-Darter weiter in Rückstand. Ein 16-Darter brachte ihn aufs Scoreboard, doch Suljovic machte ihm auch im Anschluss mit einem 136er-Finish das Leben schwer. Der "Bully Boy" kam in 12 Darts gut aus der Pause und checkte im siebten Leg 116 zum Rebreak. Österreichs Nummer Eins stellte den alten Abstand durch einen 13-Darter wieder her und brachte auch noch 76 für einen 14-Darter auf null. Smith verkürzte in 12 Darts und machte nach zwei vergebenen Gelegenheiten des Gegners 104 zu. Weil dann allerdings vier Versuche am Doppel vorbeigingen, kam Suljovic in 16 Darts wieder zum 7:5 davon.

Es folgte ein 101er-Checkout vom Wiener auf der Doppel-14, ehe Smith 68 löschte, um irgendwie im Spiel zu bleiben. Suljovic schenkte ihm als nächstes quasi das Rebreak, da er nur zwei große Triple mit den nächsten 18 Pfeilen erwischte, doch der Vorjahresfinalist ließ vier Chancen verstreichen und bekam aus dem Nichts ein 125er-Finish um die Ohren. Dennoch bemühte er sich in 16 Darts weiter und checkte 103 für das insgesamt dritte Rebreak der Partie. Als Suljovic im 18. Leg an der Doppel-18 für 156 scheiterte, fiel in 14 Darts das 9:9. Mit den nächsten drei Aufnahmen stellte sich der Mann aus St. Helens 90 und stand dicht vor der ersten Führung, doch "The Gentle" warf zum zweiten Mal an diesem Abend 136 aus, dieses Mal für einen 12-Darter. Smith erzwang durch sein zweites 68er-Finish die Verlängerung und brachte dort 84 auf dem Bullseye gegen den Wurf ins Ziel. Erstmals geriet Suljovic also in Rückstand, doch mit dem Rücken zur Wand spielte er einen 11-Darter inklusive 91er-Checkout und nachdem beide Doppel verpassten gelangte er auf der Doppel-2 zu seinem zwölften Leggewinn. Die Nummer Fünf der Setzliste konterte in 13 Darts und nachdem Suljovic viermal auf den äußeren Ring patzte, hieß es 13:12 für den Kontrahenten. Angetrieben von der erst zweiten 180 erarbeitete sich der beste Österreicher drei Chancen für den neuerlichen Ausgleich, doch er traf keine Doppel mehr und Smith finishte 110 zum Match. 

Anderson stoppt kampfstarken Wade

Es war ein Auf und Ab für beide Spieler mit dem besseren Ende für Gary Anderson. Mit 11:8 behielt er gegen James Wade die Oberhand. Entscheidend war wohl ein Run des Doppelweltmeisters, der ihn von 4:4 auf 9:4 enteilen ließ. Wade setzte auch bedingt von Schwächen des Gegners noch einmal zum Comeback an, doch Anderson ließ sich nicht mehr abfangen.

Los ging es mit zwei Breaks, wobei jeweils der Spieler, der seinen Wurf abgab zuvor Doppel verpasste. Auch die nächsten beiden Legs wurden gerecht verteilt, dieses Mal hielten beide ihr Service und Wade checkte 97. Als Anderson daraufhin einmal Tops verpasste, warf "The Machine" 148 aus, doch der Gegner breakte sofort in 13 Darts zum 3:3 zurück. Ein 14-Darter brachte Anderson in Front, Wade hielt in 17 Darts dagegen, setzte dann aber drei Breakchancen daneben. So gelang der schottischen Nummer Zwei ein Hold in 18 Darts und im Anschluss das 6:4 in 15. Ein 14- und ein 15-Darter schraubten das Ergebnis für ihn weiter nach oben, Wade hatte im zwölften Leg Tops nicht getroffen. 13 Pfeile benötigte Anderson für das 9:4, bevor Wade nach fünf verlorenen Legs in Serie wieder einen Lichtblick in 16 und 14 Darts erhielt. Das Scoring ließ jetzt bei Anderson stark nach, so das Wade gleich noch 84 checken durfte. Etwas besser wurde es für den "Flying Scotsman" wieder in 16 Darts, doch der Sieger von 2008 gab ihm durch einen 11-Darter mit 96er-Finish noch einmal etwas zu denken. Nun hatte Anderson allerdings den Wurf und begleitet von einem Maximum traf er die Doppel-20 im zweiten Versuch zum entscheidenden 14-Darter.

Whitlock watscht van Gerwen ab

So deutlich hat Michael van Gerwen bei einem TV-Turnier wohl zuletzt 2017 verloren, als ihm Phil Taylor ebenfalls beim World Matchplay eine Lehrstunde erteilte. Mit 4:11 wurde der dreifache Weltmeister von Simon Whitlock zerlegt. Der Average lag am Ende bei nur 90 Punkten, insgesamt 20mal flog ein Pfeil am gewünschten Doppel vorbei. Es ist das zweite Mal in Folge, dass van Gerwen in der zweiten Runde dieses Wettbewerbs ausscheidet und das dritte Mal nacheinander, dass das Viertelfinale ohne ihn stattfindet. Whitlock spielte gewiss eines seiner besten Matches der vergangenen fünf Jahre und nutzte immer wieder die Schwächen des großen Favoriten. Bei einer 5:0 Pausenführung für den "Wizard" rieb sich wohl so mancher bereits die Augen, doch als van Gerwen auch im weiteren Spielverlauf nie wirklich zum Comeback ansetzte, war das Staunen wohl noch größer.

Whitlock nutzte es mit zwei 13-Dartern und einem 68er-Finish aus, dass van Gerwen zu Beginn völlig von der Rolle war. Im vierten Leg bekam der Niederländer die ersten Versuche auf ein Doppel, aber traf nicht und so folgte in 14 Darts das 0:4. Auch kurz darauf patzte van Gerwen zweimal und "The Wizard" war in 17 Darts zur Stelle. Es gab sogar eine Gelegenheit zum 6:0, doch die Doppel-18 wurde innen verfehlt und MvG checkte 68. In 14 Darts holte er sich sein zweites Leg, doch Whitlock reagierte brillant mit einem 12-Darter und finishte dabei 84. Double Trouble gab es nachfolgend bei beiden Spielern, letztendlich verkürzte van Gerwen in 18 Darts weiter. Weil sein Versuch auf Tops im zehnten Leg darüber landete, verpasste ihm Whitlock mit einem weiteren 68er-Finish den nächsten Nackenschlag und es hieß 7:3.

Ein Break in 16 Darts auf beiden Seiten gab es nun zu bestaunen, wobei der australische Außenseiter Glück hatte, dass seine insgesamt vier ausgelassenen Chancen nicht mehr bestraft wurden. Viermal scheiterte ein Leg später auch van Gerwen an der Doppel-18, doch hier kam er dank des dritten 68er-Checks von Whitlock nicht davon. Weiter ging es beim Branchenprimus mit den nächsten drei verfehlten Doppeln und wieder staubte Whitlock in 14 Darts zum 10:4 ab. Zum Schluss gelang ihm noch ein 14-Darter und die große Überraschung war perfekt.

Clemens mit ein paar Fehlern zu viel

Zum zweiten Mal stand Gabriel Clemens in einem PDC Major-Achtelfinale, zum zweiten Mal kassierte er eine knappe Niederlage. Gegen Krzysztof Ratajski lief er von Beginn an einem Break hinterher und hatte schlussendlich mit 10:12 das Nachsehen. Ein paar verpasste Doppel zu viel und oftmals zu schwaches Scoring in den Legs des Gegners waren der entscheidende Faktor. Insgesamt war es eine hochklassige und mitreißende Partie. Ratajski lag mit seinem Average nur knapp unterhalb der 100 und kann sich mit diesen Leistungen gerade nach dem Ausscheiden von van Gerwen wohl einiges ausrechnen.

Die Partie begann denkbar unglücklich für Clemens, der im ersten Leg das Bullseye verfehlte und im zweiten ebenfalls zwei Gelegenheiten verwarf. Ratajski profitierte mit zwei 15-Dartern, darunter ein 110er-Finish. Clemens checkte anschließend 80, bekam dann aber mit sechs Pfeilen von 128 keine Gelegenheit auf ein Doppel und Ratajski erhöhte in 17 Darts auf 3:1. Ein 20-Darter mit erneut wackeligen Doppeln ließ den "German Giant" verkürzen, doch der Kontrahent blieb in 15 Darts stabil. Ein 13-Darter brachte Clemens auf 4:3 heran, doch wieder konnte er Ratajski nicht unter Druck setzen und der dankte es ihm in 17 Darts. Der nächste 13-Darter brachte Clemens wieder in Reichweite, doch Ratajski ging dank eines 16-Darters mit einem 6:4 Vorsprung in die Pause.

Es folgte ein 14-Darter auf beiden Seiten, bevor der "Polish Eagle" zwei Möglichkeiten für ein weiteres Break nicht verwertete. Clemens rettete sich in 17 Darts, doch Ratajski hielt ihn auch danach mit einem 113er-Checkout auf Abstand. 76 brachte der Mann aus Saarwellingen daraufhin auf null, Ratajski blieb unbeeindruckt und checkte 130 auf dem Bullseye. In 15 Darts erlangte Clemens sein achtes Leg und als Ratajski dann doch einmal auf die Doppel patzte, war er in 14 Darts zum 9:9 erfolgreich. Auch im 19. Leg erhielt der gesetzte Spieler eine Chance, doch die Doppel-12 fiel nicht und Clemens checkte sicher 85 zur ersten Führung. Ratajski sorgte in 15 Darts für den Tiebreak und breakte dort sofort wieder in 17 Darts nachdem Deutschlands Nummer Zwei dreimal auf Tops und Doppel-10 hatte federn lassen. Ein 14-Darter sorgte schließlich für den ersten polnischen Akteur im Viertelfinale eines PDC-Majors.

 

Am morgigen Mittwoch wird dann der zweite Teil des Achtelfinals ausgespielt. Sport1, DAZN und PDC.TV übertragen jeweils live. Los geht es um 20:00 Uhr deutscher Zeit.

 

Ergebnisse Dienstag:

Dienstag, 21.07.2020:
Nathan Aspinall 5-10 Dimitri van den Bergh (1. Runde) (93,54 - 98,42)
Michael Smith 14-12 Mensur Suljovic (94,99 - 91,7)
Gary Anderson 11-8 James Wade (92,91 - 93,96)
Michael van Gerwen 4-11 Simon Whitlock (90,8 - 98,11)
Gabriel Clemens 10-12 Krzysztof Ratajski (96,89 - 99,69)

Vorschau Mittwoch:

Mittwoch, 22.07.2020: (20:00 Uhr MESZ)
Daryl Gurney - Vincent van der Voort
Dimitri van den Bergh - Joe Cullen
Peter Wright - Glen Durrant
Danny Noppert - Adrian Lewis

 

TV-Übertragung 2020:

In diesem Jahr wird das World Matchplay wieder von DAZN und Sport1 live übertragen. Auch der offizielle Stream der PDC, PDC-TV HD zeigt alle Spiele live.
Sport1 wird von diesem Turnier alle Spiele übertragen. Auf DAZN werden alle Sessions in voller Länge gezeigt. Mit dem kostenlosen Probemonat von DAZN kann man das komplette Turnier kostenlos erleben: http://bit.ly/livedart2019
 

Preisgeld 2020:

Sieger: £150.000
Runner-Up: £70.000
Halbfinale: £50.000
Viertelfinale: £25.000
Achtelfinale: £15.000
1. Runde: £10.000
Gesamt: £700.000

Das World Matchplay ist nach der PDC-WM das Ranglistenturnier mit dem größten Preisgeld im Dartsport.
 

Spielmodus 2020:

1. Runde: Best of 19 Legs
Achtelfinale: Best of 21 Legs
Viertelfinale: Best of 31 Legs
Halbfinale: Best of 33 Legs
Finale: Best of 35 Legs

Ein Spiel muss allerdings mit 2 Legs Differenz gewonnen werden. Seit 2014 gilt die Regel, dass die Spiele bei Gleichstand um maximal 5 Legs verlängert werden.

 

Weitere Informationen:

Alle Infos zum World Matchplay [Turnierseite]
Unseren Turnierbaum gibt es [hier]
Für Diskussionen und Fragen zum Turnier [Dart Forum]

Foto-Credit: Lawrence Lustig/PDC

[kb]

Quelle: PDC - www.pdc.tv

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