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Kommentar World Series of Darts: "Wir machen halt mal"

Mittwoch, 29. Juni 2022 19:11 - Dart News von dartn.de

World Series of Darts - Kommentar

Der letzte Monat war eingerahmt von gleich drei Turnieren der World Series. Gespielt wurde in New York, Kopenhagen und Amsterdam. Der sportliche Wert dieser Veranstaltungen gilt als eher gering. Unser Autor Kevin Barth stellt in seinem Kommentar auch das allgemeine Konzept der PDC zur World Series in Frage.

Bloß kein Risiko

Fangen wir doch einmal ganz von vorne an: 2013 startete die World Series mit dem Dubai Darts Masters. Besondere Kuriosität hatte das Turnier bei seinen insgesamt vier Ausgaben dadurch, dass es unter freiem Himmel ausgetragen wurde und der Wind hin und wieder ein wenig Einfluss nahm. Bis zum Ende diesen Jahres hat die PDC insgesamt 41 Events dieser Turnierserie in insgesamt zehn Ländern veranstaltet, die World Series Finals noch nicht mitgerechnet. In den meisten Fällen ging man dabei den Weg des geringsten Widerstandes: Dubai als Touristen-Hochburg mit kräftigen Geldgebern, Australien mit Dartsport-Background dank der britischen Kolonialherrschaft, die USA und Neuseeland als englischsprachige Nationen. Deutschland und die Niederlande nehmen die Verantwortlichen auch gerne mit, dort hat man ja bereits eine Fanbase und der Geldregen ist gewiss.

Mit einigen wenigen Besuchen auf dem asiatischen Kontinent bekräftigte die PDC zwischen 2014 und 2018, dass die World Series den Dartsport global voranbringen soll. Wirkliches Durchhaltevermögen war da aber nicht zu erkennen. Nachdem es in Japan zwei Jahre lang nicht die besten Zuschauerzahlen gab, kehrte man einfach nicht mehr dorthin zurück. Singapur bekam nur 2014 die Chance und 2019 war nach vier Jahren auch das Event in China wieder raus aus dem Kalender. Dabei braucht es einen langen Atem, um einen Sport zu etablieren. In Deutschland gab es 2008 zum Beispiel eine European Championship in Frankfurt, die pro Session nicht mehr als ein paar Hundert Zuschauer hatte. Erst 2010, vier Jahre nachdem erstmals Turniere auf deutschem Boden ausgerichtet wurden, wurde das Interesse langsam höher. Sogar in der Hochburg Niederlande gab es gerade zu Beginn der 10er-Jahre einen ziemlichen Zuschauerschwund und trotzdem wurden dort weiter Turniere ausgerichtet. Die PDC geht kaum Risiko, will eher das schnelle Geld verdienen, als nachhaltig ihren Sport zu verbreiten. Asien soll 2023 wieder mindestens ein World Series Event bekommen, aber ist das nicht einfach nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein?

In anderen Ländern war die World Series dagegen noch nie. Hätte man nicht in Spanien die Chance auf Etablierung gehabt, als Cristo Reyes und Toni Alcinas positive sportliche Schlagzeilen schrieben? Bis 2010 veranstaltete man das "South African Masters", kehrte danach aber nicht mehr dorthin zurück, obwohl es mit Devon Petersen ein potentielles Zugpferd gäbe.

Die Sache mit dem Kalender

Bei einem Blick auf den ziemlich vollen Turnierkalender stelle ich mir auch die Frage: Ist eine wirklich durchdachte World Series mit globaler Wirkung tatsächlich möglich? Aktuell finden sechs Events pro Jahr statt, laut dem PDC-Vorstandsvorsitzenden Matt Porter ist eine Erweiterung auf acht durchaus realistisch. Dabei sind gerade die Aushängeschilder des Sports bereits sichtbar überspielt. Wäre es da nicht denkbar, in besonders etablierten Ländern außerhalb Europas anstatt der World Series mal das ein oder andere Ranglistenturnier zu veranstalten? Porter schließt das aktuell aus, weil die Kosten für die Teilnehmenden zu hoch seien. Die WM-Qualifikanten aus Übersee hat aber auch noch keiner gefragt, was sie so alles investieren müssen, stellenweise völlig umsonst, weil sie kein Visum erhalten.

Gerade Spielenden vom asiatischen Kontinent muss man in meinen Augen früher oder später mit solchen Ranglistenturnieren entgegenkommen. Bislang gab es nämlich noch keinen Profi von diesem Kontinent, auch wenn vereinzelt jemand eine Tourkarte besaß. Die Hemmschwelle, es dauerhaft in Europa zu versuchen ist dort größer, weil es zum Beispiel sprachliche Barrieren gibt. Interessanterweise gab es Zeiten, in denen die PDC-Ranglistenturniere auf anderen Kontinenten nicht gescheut hat. In den 2000ern gab es Players Championships in den USA, Kanada und Australien. Jetzt, wo die finanzielle Situation des Unternehmens deutlich besser ist als damals, will man aber diesen Aufwand nicht mehr betreiben. Auch dieser Wandel ist bezeichnend.

Der überfüllte Kalender könnte im Hinblick auf die World Series auch noch andere Probleme verursachen: Profikarrieren könnten aufgrund der Turnierbelastung deutlich kürzer werden. Deshalb sollte schon frühzeitig nicht immer nur auf dieselben Namen bei der World Series gebaut werden. Ich sage damit nicht, dass die Nummer 105 der Welt eingeladen werden soll, aber die Spitze rückt im Dartsport immer enger zusammen und auch außerhalb der Top 10 haben sich diese Saison schon Spieler für World Series-Nominierungen empfohlen. All diesen Entwicklungen würde man mit einer Verteilung auf mehr Schultern Rechnung tragen. Aber auch hier leben die Verantwortlichen lieber nur den Moment.

Wie ist der Plan?

Mir fehlt bei der World Series ein durchdachter Plan: Was passiert als nächstes? Wie geht es weiter, wenn der Sport globaler aufgestellt ist? Will man diese Globalisierung mit allen Konsequenzen wirklich, oder soll der Fokus eigentlich auf Europa mit ein paar Gesichtern von anderen Kontinenten liegen? Wenn es einen Plan gibt, wurde der bislang nicht wirklich nach außen kommuniziert. Aktuell wirkt diese Turnierserie auf mich, als wäre sie ein in die Jahre gekommenes Auto. Immer wieder wird in der Werkstatt ein bisschen daran herumgebastelt, dass es irgendwie wieder fahrtauglich wird. Wirklich attraktiv ist es dadurch aber nicht.

Weitere Informationen zur Weltmeisterschaft:

Alle Infos zur World Series of Darts 2022 [Turnierseite]
Für Diskussionen und Fragen zum Turnier [Dart Forum]

Foto-Credit: Ed Mulholland/PDC

[kb]

Quelle: dartn.de

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