Was macht eigentlich? Bernd Hebecker

Freitag, 27. März 2020 13:06 - Dart News von dartn.de

Was macht eigentlich? Bernd Hebecker

In unserer Reihe "Was macht eigentlich?" steht dieses Mal ein Mann im Fokus, den viele unserer jüngeren User vielleicht gar nicht mehr kennen. Die Rede ist von Bernd Hebecker, dem ersten deutschen Dartprofi überhaupt. Er war zwischen 1983 und 2000 international unterwegs und stellte die Weichen für einige, die nach ihm kamen. Er ist auch der allererste Deutsche, dem eine Qualifikation zur Weltmeisterschaft der BDO gelang.

Die Vergangenheit

Hebecker kam 1977 in einer Bremer Kneipe erstmals mit dem Dartsport in Berührung. "Unser damaliger Wirt hatte eine Scheibe aus Papier oder Pappe aufgehängt. Ich habe zu dieser Zeit Handball gespielt und da meinte er zu mir: Du kannst doch gut zielen, versuch das doch mal", erzählt der heute 64-jährige. Schnell wurde klar, dass er ein gewisses Talent für das Spiel besaß. Es gab aber noch ein paar Hürden zu überbrücken: "Wir hatten natürlich keine Ahnung von den Regeln. Am Anfang habe ich außerdem mit ziemlich dicken Brass-Darts gespielt, mit denen es gar nicht möglich war, drei vernünftig in eine Reihe zu kriegen. Ende der 70er kamen dann erste richtige Boards und auch anderes Spielmaterial. Die Regeln haben uns Leute aus Großbritannien erklärt und nach einer gewissen Zeit hatte ich dann auch das mit dem Rechnen raus."

Bald gründete sich eine erste Liga in Bremen und auch in anderen Städten wurde ein gewisser Spielbetrieb aufgenommen. Hebecker nahm ab Anfang der 80er Jahre an Turnieren in der ganzen Bundesrepublik teil. 1981 wurde er deutscher Vize-Meister im Doppel, 1983 belegte er auch bei den nationalen Einzelmeisterschaften den zweiten Platz. Zu dieser Zeit gab es bereits Auftritte in einem lokalen TV-Sender. Über die Rangliste des DDV erspielte er sich einen Platz in der ersten deutschen Nationalmannschaft, die 1983 erstmals zu einem World Cup reiste. Es ging nach Edinburgh und schon die Anreise war abenteuerlich. "Wir sind mit fünf Personen in meiner Karre runtergefahren nach Schottland. Wie lange wir unterwegs waren, kann ich heute gar nicht mehr sagen. Zum Schluss ging es nachts durch die schottischen Highlands. Nur Colin Rice und ich kamen mit dem Linksverkehr zurecht, also saßen wir abwechselnd am Steuer."

Vor Ort stellte das deutsche Team fest, dass der World Cup alles übertraf, was sie bislang erlebt hatten. "Die anderen Teams hatten alle einen Dresscode und wir natürlich nicht. Wir waren jetzt nicht schlecht angezogen, aber eben nicht einheitlich. Es gab einen großen Empfang im Rathaus und man ist erstmals den ganzen Topspielern begegnet." Der damalige DDV-Präsident hatte laut Hebecker einige Dokumente vom Veranstalter nicht übersetzt und so war die deutsche Mannschaft eigentlich auch gar nicht für das Turnier gemeldet. Colin Rice konnte das vor Ort aber noch regeln. "Verloren haben wir unser erstes Spiel natürlich alle. Der eine klar, der andere knapper. Trotzdem war dieser World Cup für Rice und mich eine Offenbarung und von diesem Zeitpunkt an wollten wir mehr", erinnert sich Hebecker. Im selben Jahr ging es für ihn auch noch zum World Masters nach England. Begleitet wurde er dieses Mal von einem Fernsehteam aus der Heimat. Hier gelang ihm der erste Sieg auf internationalem Parkett.

1984 wurde Hebecker deutscher Meister. Es folgten Titel bei den German Open, den German Gold Cup, den Dortmund Open und den damals auch sehr gut besetzten und sehr groß aufgezogenen Bremen Open. Als Erfolgsrezept bezeichnet er heute seinen großen Trainingsfleiß. "Ich war nicht so ein großes Talent, wie zum Beispiel Andree Welge, der nach mir kam. Bei mir war alles harte Arbeit und auch eine gewisse mentale Stärke." Zu dieser Zeit arbeitete Hebecker in der Anästhesie eines Krankenhauses, war Familienvater und fand außerdem noch Zeit, regelmäßig am Board zu stehen. "Der Job im Krankenhaus war jetzt keiner, wo du freitags pünktlich um 15:00 Uhr den Löffel hinlegen und Montagmorgen wieder anfangen konntest. Ich hatte allerdings sehr umgängliche Kollegen, mit denen ich Dienste tauschen konnte, um die Wochenenden frei zu haben. Außerdem habe ich von meinem Arbeitgeber auch Sonderurlaub bekommen und so war es mir möglich, internationale Turniere zu spielen", berichtet er. Hinzu kam, dass in den lokalen Medien viel über die Erfolge des Bremers berichtet wurde und er dadurch einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangte.

In den 90ern nahm Hebeckers Karriere richtig Fahrt auf. 1992 stand er nicht nur im Achtelfinale der British Open, sondern belegte beim Europe Cup hinter Phil Taylor und John Lowe den dritten Platz. "Ich bin mit einer Magen-Darm-Grippe angereist und habe mich irgendwie durchs Turnier gekämpft. Im Viertelfinale habe ich Jocky Wilson in seinem letzten Spiel überhaupt geschlagen, im Halbfinale gab es dann eine unglückliche 3:4-Niederlage gegen John Lowe. Im Finale hat Taylor Lowe mit 6:0 vom Board gefegt." Durch diese Ergebnisse ging es für Hebecker als geteilter 16. des BDO-Rankings erstmals zur Weltmeisterschaft.

Dort kassierte er allerdings eine 0:3-Auftaktniederlage gegen den Dänen Jann Hoffmann und kam dabei nicht über einen 70er Average hinaus. "Ich war schon ziemlich enttäuscht von mir. Zu diesem Spiel sind extra Freunde aus Deutschland angereist, das war mir schon auch peinlich. Es war gar nicht mal ein schwaches Scoring. Ich habe vor allem im ersten Satz viel zu viele Doppel nicht getroffen. Das Spiel hätte auch genauso gut anders herum ausgehen können. Jann hat nicht schlecht gespielt, aber eben auch nicht überragend", analysiert Hebecker. Verantwortlich für das frühe Ausscheiden waren aus seiner heutigen Sicht mehrere Faktoren. "Es war alles neu für mich. Die Bühne, alles drum herum und plötzlich gehörte ich zu diesen 32 besten der Welt dazu. Es hat auch zu lange gedauert, bis ich mein erstes Spiel hatte. Ich war schon eine Woche vor Ort, habe viele starke Leistungen von anderen gesehen, bis ich dann endlich auf die Bühne durfte. Wäre ich ein Jahr später noch mal dort hingekommen, hätte ich garantiert besser gespielt."

Als er die Bühne nach der Niederlage gegen Hoffmann verließ, traf er auf den großen Eric Bristow. "Der hat mich dann in den Arm genommen und gesagt: Sei nicht zu enttäuscht, ich bin in meinem ersten Spiel auch zu null rausgegangen." An den fünffachen Weltmeister hat der Mann aus Norddeutschland ohnehin einige prägende Erinnerungen. So traf er einmal bei den Scottish Open auf ihn. "Gut 500 Schotten standen hinter mir, alle waren sie gegen Bristow. Er hat schnell 3:0 geführt, aber ich bin stark zurückgekommen und konnte zum 3:3 ausgleichen. Im letzten Leg hat er dann aber einen 11-Darter gespielt."

In den Jahren danach machte sich Hebecker vermehrt auf die Suche nach Sponsoren, schrieb verschiedene Unternehmen an, doch zunächst ohne großen Erfolg. Bristow und auch mehrere andere Spieler hatten ihn versucht zu überreden, sich dem neu gegründeten WDC anzuschließen, aus dem später die PDC wurde. "Hätte ich das gemacht, hätte ich keine Turniere mehr in Deutschland spielen dürfen. Damals war das noch alles deutlich strenger. Da wäre es nicht nur mit der Nationalmannschaft vorbei gewesen. Noch nicht einmal in der Liga hätte ich zum Einsatz kommen dürfen und das wollte ich so nicht." Dafür traf er 1996 zufällig auf einen alten Bekannten, dem inzwischen eine große Firma gehörte. Dieser wurde wenig später sein Sponsor und machte es Hebecker möglich, ab Herbst die komplette Tour der BDO mitzuspielen.

In der Firma seines Bekannten hatte der nun 40-jährige einen eigenen Trainingsraum und stand unter der Woche acht Stunden am Oche. An den Wochenenden wurden Turniere absolviert und der Auftakt war mit einem Halbfinale bei den French Open durchaus verheißungsvoll. In den kommenden Jahren blieben die großen Ergebnisse allerdings aus. Dennoch bleiben für Hebecker viele schöne Erinnerungen aus dieser Zeit. "Es war erst einmal gar nicht so leicht, als einziger Deutscher unter so vielen Briten, weil du auch den Humor verstehen musst. Ich habe es aber geschafft, dazu zu gehören und wir waren wie eine große Familie. Mit Mervyn King, Martin Adams, Ted Hankey und noch einigen anderen habe ich zum Beispiel Doppel gespielt. Auch mit Raymond van Barneveld und Roland Scholten gab es ein gutes oder sehr gutes Verhältnis."

Im Jahr 2000 hörte der Bremer als Profi auf, obwohl ihm weiterhin die Unterstützung seines Sponsors sicher gewesen wäre. "Ich hatte einfach keine Lust mehr. Viele denken, dass man als professioneller Dartspieler ein tolles Leben hat. Du bist aber viel unterwegs, lebst im Hotel, siehst kaum etwas von den Städten und reist nach einem Turnier wieder ab. Mir haben diese Jahre auch meine erste Ehe zerbröselt. Ich habe mir einfach klar gemacht, dass mein Talent nicht reicht, um es wirklich ganz nach oben zu schaffen und das war dann auch in Ordnung so." Ende 2001 tauchte Hebecker auch nicht mehr auf nationalen Turnieren auf, eine fünfjährige Dart-Pause folgte. Beruflich blieb er seinem ehemaligen Sponsor erhalten und war für den internationalen Vertrieb zuständig.

Die Gegenwart

Hebecker befindet sich mittlerweile im Ruhestand. Eine schwere Krankheit zwang ihn schon vor etwa zehn Jahren dazu. Inzwischen geht es ihm aber wieder deutlich besser. Immer wieder wirft er in einer Bremer Liga noch Pfeile, doch in den letzten Monaten musste er aufgrund von Rheuma hier etwas kürzer treten. Seit zehn Jahren ist er ein zweites Mal verheiratet. Die junge Generation der deutschen Dartspieler rund um Max Hopp hat er nie persönlich kennengelernt, verfolgt aber noch regelmäßig und intensiv das Geschehen in der PDC. "Es ist beeindruckend, was wir inzwischen in Deutschland für Spieler haben und wie sehr der Dartsport hier bei uns einen Markt gefunden hat. Ich habe früher vor 500 bis 800 Leuten gespielt, heute findet die Premier League in Berlin vor 12.000 Zuschauern statt", lobt die lebende Legende.

Bei aller Wertschätzung für den Dart-Boom übt Hebecker aber auch ein wenig Kritik. Dabei geht es ihm vor allem um die Angewohnheit vieler Spitzenspieler, sich von einem Management unter Vertrag nehmen zu lassen. "Dart ist kein Mannschaftssport. Am Ende bist du ganz alleine dafür verantwortlich, ob du ein Spiel gewinnst oder verlierst. Daran ändert auch ein Manager nichts, der dir was zu trinken bringt oder sonst etwas für dich tut. Hinter jedem Manager steckt ein kluger Kopf, der ganz genau weiß, was er macht und da geht es dann nicht um den Menschen, sondern vor allem um Geld. Ich bin mir nicht sicher, ob sich jeder Spieler mit so etwas wirklich einen Gefallen tut." All das hält Hebecker aber nicht davon ab, den Dartsport weiter in vollen Zügen zu genießen, auch wenn es nun eher eine passive Rolle auf der Couch ist. Er hat es sich redlich verdient.

Weitere Informationen:

Alle Infos zu Bernd Hebecker gibt es in seinem [dartn.de Spielerprofil]
Alle Ausgaben zur Rubrik "Was macht eigentlich?" gibt es [hier]

Foto-Credit: Privat

[kb]

Quelle: dartn.de

zurück zur Übersicht: Dart News von dartn.de | RSS Feed