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Darts trifft Dorf: Krohne gewinnt Samsener Storchen Cup

Beim „Samsener Storchen Cup“ 2026 ist Dorf-Atmosphäre auf hochklassigen Dartsport getroffen. An der östlichen Landesgrenze von NRW zu Niedersachsen waren unter anderem die WM-Teilnehmer Florian Hempel, Arno Merk und Dragutin Horvat am Start. Den Titel vor 300 Zuschauern in der Wörmke-Arena schnappte sich Paul Krohne. Ein Titelverteidiger auf Krücken, ein Sieg über einen Profi sowie ein 15-jähriges Talent waren nur die Highlights eines stimmungsvollen Abends, bei dem wir vor Ort sein durften.

Beim „Samsener Storchen Cup“ 2026 ist Dorf-Atmosphäre auf hochklassigen Dartsport getroffen. An der östlichen Landesgrenze von NRW zu Niedersachsen waren unter anderem die WM-Teilnehmer Florian Hempel, Arno Merk und Dragutin Horvat am Start. Den Titel vor 300 Zuschauern in der Wörmke-Arena schnappte sich Paul Krohne. Ein Titelverteidiger auf Krücken, ein Sieg über einen Profi sowie ein 15-jähriges Talent waren nur die Highlights eines stimmungsvollen Abends, bei dem wir vor Ort sein durften.

WM-Stimmung im „Samsen Pally“

Innerhalb von drei Jahren hat sich der „Samsener Stochen Cup“ zu einer festen Institution entwickelt. Der Turniername ist schnell erklärt: Ausrichter sind der TSV Sabbenhausen (im Volksmund „Samsen“) und der DC Störche Elbrinxen, der seinen Namen von der Storchenstation im Ort hat. Was ursprünglich als lokales Event begann, hat im letzten Jahr Fahrt aufgenommen und nun Türen in ganz neue Dimensionen aufgestoßen. Das zeigt sich unter anderem am Teilnehmerfeld, in dem neben den genannten Akteuren auch die Tourcard-Holder Leon Weber und Max Czerwinski dabei waren. Während Florian Hempel seinen Matchdart gegen den kürzlichen Next-Gen-Finalisten Finn Prokop verwandelt, sendet die WDR-Lokalzeit live aus der lippischen Provinz.

Über mittlerweile 3 Tage wird die Wörmke-Arena zum „Samsen Pally“. Das ursprünglich einzelne Turnier hat man in ein lokales Event am Samstagabend und die Exhibition am Freitag getrennt. Die Ticket-Nachfrage ist so groß, dass binnen Minuten beide Tage mit 300 Zuschauern ausverkauft sind. Erster Heißmacher ist ein Live-Podcast von Kevin Schulte und Micha Wattenberg am Donnerstag, von denen dann auch die Spiele gelost und live kommentiert werden. Im KO-Modus treffen 8 gesetzte Spieler auf 8 Qualifikanten. Vom Bühnenbild über den Walk-On bis zur Übertragung auf der Leinwand ist alles auf hohem Niveau. Und wenn die fast vollständig kostümierte Menge lautstark zu „Chase the Sun“ mitgeht, ist man vom Alexandra Palace gefühlt nicht mehr weit entfernt.

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Bunchai Wiglamuk im WDR-Interview: Nach der Niederlage gegen Leon Weber gewann er am Samstag das Turnier der „Locals“.

Das Sportliche: Krohne siegt knapp, aber verdient – Qualifier schlägt Merk

Am Ende durchgesetzt hat sich Paul Krohne, der von den meisten auch im Vorhinein als Favorit auf den Titel gehandelt wurde. Immer wenn es eng wurde, konnte der formstarke Münsteraner noch einen Zahn zulegen. Das war bereits im ersten Spiel vonnöten, als sein erst 15-jähriger Kontrahent Dian Schleicher die Halle zum Kochen brachte. Der Außenseiter warf mit der ersten Aufnahme der Partie eine 180 und eröffnete auch sein zweites Anwurfleg mit einem Maximum. Das Publikum hatte er hinter sich, zu mehr als einem Leg sollte es aber nicht reichen. Im Viertelfinale gegen Magnus Spilker nahm Krohne als sportliches Highlight des Abends 167 Punkte zum Matchgewinn raus. Sowohl gegen Dragutin Horvat (4:3) als auch im Finale gegen Finn Chudziak (5:4) ging es dann über die volle Distanz.

Chudziak hatte damit eine kleine Überraschung gelandet. Bereits in Runde 1 überstand er ein Decider-Drama mit Niclas Wierling, dann nahm er Max Czerwinski glatt raus und konnte auch den favorisierten Florian Hempel 4:3 schlagen. Im Endspiel lag er mit 4:2 vorne, konnte sich aber keinen Matchdart erspielen. Krohne checkte unter anderem 120 Punkte und stand im Entscheidungsleg nach 12 Darts auf 40 Rest, die er dann unter Druck mit dem letzten Dart auf der Doppel 5 löschen konnte.

Die größte Überraschung des Turniers war der sensationelle Sieg des lokalen Qualifiers Marcus Schönfelder über Arno Merk nach Matchdarts auf beiden Seiten. Um ein Haar hätte er sogar noch Dragutin Horvat geschlagen, den er ebenfalls in den Decider zwang. Beide eröffneten das Entscheidungsleg mit einer 180, ehe Schönfelder bei 80 Rest seine Chance bekam. Und da versuchte er es tatsächlich über Tops-Tops: Der erste Dart landete in der Doppel 20, aber die beiden Matchdarts fanden nicht ins Ziel.

Organisatoren trotz Stream-Ausfall glücklich

Schönfelder war somit der einzige Spieler, der einen Profi schlagen konnte. Steven Crampton war beim 3:4 gegen Dragutin Horvat nicht weit weg. Mit Magnus Spilker gewann ein weiterer Qualifier gegen den gesetzten Vorjahressieger Nino Pecht. „El Niño“ hatte im letzten Jahr den Autor dieses Artikels im Endspiel bezwungen und sich damit seine erneute Teilnahme gesichert. Die Mission Titelverteidigung wurde jedoch unter der Woche zerstört: Beim Fußball brach er sich den linken Knöchel, kämpfte sich als Rechtshänder aber dennoch hüpfenderweise durch die Partie. Caller Christopher Lamprecht war plötzlich als Schiedsrichter, Schreiber und Herauszieher der Darts gefordert und rief mit all seiner Erfahrung ganz nebenbei auch noch ein paar Störenfriede zur Räson. Eine Geschichte, wie sie der Samsener Storchen Cup schreibt.

Auch für Organisator Lasse Jürgens war das gesamte Spiel ein „Fiebertraum“. Als spontanes Highlight musste er aber zuerst an den 15-jährigen Dian Schleicher denken: „Das ist sein erstes Spiel auf der Bühne und dann wirft der mit der ersten Aufnahme eine 180.“ Mit dem allgemeinen Ablauf zeigte sich Jürgens zufrieden, insbesondere das Zeitmanagement sei wichtig gewesen. Nach etwas Überlänge im letzten Jahr hat man die Veranstaltung diesmal bis 0:30 Uhr zu Ende gebracht. Als Wermutstropfen bleibt der Abbruch des Livestreams – Dorf und Darts passen leider besser zusammen als Dorf und Internet. Auch das Scoreboard im Livebild war dadurch kurzzeitig ausgefallen und so fiel die schwere Entscheidung, den Stream als größten Verbraucher abzuschneiden und die Spiele im Nachgang online zu stellen. Im Gesamtfazit war Jürgens dennoch „unendlich dankbar und glücklich.“

Was bleibt, ist der beeindruckende Beweis, was mit viel Leidenschaft und ehrenamtlichem Einsatz auf die Beine gestellt werden kann. Ein professioneller Darts-Abend kann auch auf dem Land mindestens so massentauglich wie die alljährliche Schlagerparty sein – sicher nicht nur in „Samsen“.

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Ruhe vor dem Sturm: Dass es sich bei der Wörmke-Arena eigentlich nur um eine Turnhalle handelt, war kaum noch zu erkennen.

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Foto-Credit: Jannik Horn, dartn.de/Moritz Käthner

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