Diese Nachricht sorgte am Donnerstag auch außerhalb der Dartsbubble für ordentlich Diskussionsstoff. Aufgrund neu veröffentlicher Teilnahmerichtlinien der DRA, dürfen ab sofort nur noch biologische Frauen bei der PDC Women’s Series mitspielen, was vor allem Noa-Lynn van Leuven betrifft. Dabei werfen zumindest Zeitpunkt der Änderung sowie Begründungen der PDC ein wenig Fragen auf.
Women’s Series nur noch für biologische Frauen offen
Mit Wirkung zum 05.04.2026 und angewendet seit dem 09.04.2026 hat die Darts Regulation Authority (DRA) nach einer Überprüfung beschlossen, dass „für einen fairen Wettbewerb im Darts nur biologische Frauen an den von den DRA-Regeln betroffenen Frauenturnieren teilnehmen dürfen.“ Daher hat die DRA ihre Richtlinie zu Transgender- und Geschlechtervielfalt durch eine Teilnahmeberechtigungsrichtlinie und neue Regeln für offene und Frauenturniere ersetzt. Diese gelten für alle der DRA angeschlossenen Organisationen, einschließlich der PDC. Die DRA hat sich bei der Entwicklung dieser neuen Richtlinien und Regeln mit der PDC und der PDPA beraten. Es wird zudem beteuert, dass die Entwicklungen im Zusammenhang mit der Teilnahme von Transgender-Personen am Sport weiterhin beobachtet und die Teilnahmeberechtigungsrichtlinien entsprechend angepasst werden und mindestens jährlich eine Überprüfung erfolgt.
Van Leuven spricht von schwerem Schlag
Die neuen Richtlinien der DRA treffen vor allem Noa-Lynn van Leuven mitten ins Mark. Nach eigener Aussage wurde die Niederländerin von der PDC per E-Mail über die veränderten Teilnahmeregeln informiert. In einem emotionalen Videostatement nahm van Leuven dazu Stellung: „Ich habe gerade eine E-Mail bekommen. Anscheinend wurde ich in Rente geschickt. Nicht weil ich es mir ausgesucht habe, sondern weil ich nicht länger teilnehmen darf. Ich habe jahrelang so hart gekämpft. Ich war dabei, habe mitgemacht und den Sport respektiert, jedes Spiel und jeden Tag. Und jetzt wurde mir mit einer Entscheidung mitgeteilt, dass ich nicht mehr dazugehöre. Es geht dabei nicht um mich. Das ist ein schwerer Schlag für die Trans-Community, insbesondere nach den jüngsten Entscheidungen des IOC. Jeden Tag wird es schwerer für Trans-Personen zu existieren.“ Van Leuven zeigte sich jedoch auch kämpferisch: „Das ist nicht das Ende. Ich fange einfach wieder von vorne an. Ich habe noch nicht aufgegeben.“
Vier Siege 2024 und zwei im Jahre 2025 stehen für van Leuven auf der Women’s Series zu Buche, außerdem stand sie 2025 im Halbfinale des Women’s World Matchplay und erspielte sich über die Damenserie der PDC zwei Teilnahmen an der PDC-Weltmeisterschaft. Das alles ist jetzt nicht mehr möglich, an alle anderen Events fernab der Women’s Series und des Women’s World Matchplay darf „The Duchess“ allerdings weiterhin teilnehmen. Dass sie auch dort erfolgreich sein kann, zeigt z.B. ein Sieg auf der Challenge Tour 2024. Die WDF hatte schon vor einigen Monaten ihre Policy angepasst, wodurch van Leuven dort nur noch in der Open-Kategorie spielberechtigt ist.
Fragwürdiger Zeitpunkt, schwammige Begründungen
Schon vor zwei Wochen hatten wir in unserem [Newsflash] darüber informiert, dass das Internationale Olympische Komitee (IOC) die Entscheidung getroffen hat, ab den nächsten Olympischen Spielen 2028 wieder Geschlechtertests durchzuführen und nur noch biologische Frauen an Damen-Wettbewerben teilnehmen zu lassen. In der Vergangenheit hatte CEO Matt Porter bekräftigt, sich bei den Teilnahmebedingungen auch an den IOC-Regeln zu orientieren. Daher kommt es wenig überraschend, dass die PDC jetzt ihre Regeln angepasst hat, wenngleich der Zeipunkt mitten in der Saison durchaus fragwürdig ist und so van Leuven so aus den Ranglisten gestrichen werden muss. Pikant: Dadurch würde Stand jetzt ausgerechnet Deta Hedman ins Feld des Women’s World Matchplay nachrücken, die sich in der Vergangenheit stark für die nun geltenden Regeln eingesetzt hat und auch Spiele gegen van Leuven verweigerte.
Bei den neuen Richtlinien bezieht man sich einerseits auf Dr. Emma Hilton, einer akademischen Entwicklungsbiologin, und auf ein Urteil des Obersten Gerichtshofs des Vereinigten Königreichs vom 16. April 2025 im Fall „For Women Scotland“. Hilton kommt zu dem Entschluss, dass sich „viele geringfügige Geschlechtsunterschiede summieren und zu einem Vorteil der Männer gegenüber Frauen im Darts führen.“ Daraus leitet Hilton ab, Darts als „geschlechtsspezifische Sportart“ im Sinne von Abschnitt 195 des Gleichstellungsgesetzes (2010) einzustufen.
Auszug des Berichts von Dr. Emma Hilton:
- Verschiedene Studien belegen, dass Frauen im Darts nicht konstant mit Männern mithalten können. Während der Leistungsunterschied wahrscheinlich auf eine Reihe relevanter sozialer Faktoren zurückzuführen ist, gibt es auch einige körperliche Merkmale, die Männern einen Vorteil gegenüber Frauen verschaffen
- Zu den Vorteilen der Männer zählen größere Körpergröße, längere Gliedmaßen, breitere Schultern, mehr Muskelmasse und steifere Sehnen. Diese Faktoren verbessern Reichweite, Stabilität und Wurfmechanik und wirken sich somit positiv auf Konstanz und Präzision aus
- Haltung und Wurf: Die Kombination aus größerem Skelett und vorteilhafter Biomechanik, die die Reichweite maximiert und eine effektivere Nutzung der Vorwärtsneigung ermöglicht, trägt zu einem Vorteil der Männer in Wurfmechanik und Genauigkeit bei
- Griffkraft und motorische Kontrolle: Größere Hand- und Armkraft verzögert die Ermüdung der Schlüsselmuskeln, die für den richtigen Zeitpunkt des Wurfs verantwortlich sind, und unterstützt so eine anhaltende Konstanz beim Scoring.
- Fazit: Der Bericht hat mehrere körperliche Unterschiede aufgezeigt, die meiner Meinung nach zu den besseren Ergebnissen männlicher Dartspieler beitragen. Ich bin jedoch nicht der Ansicht, dass ein einzelner Geschlechtsunterschied so stark ausgeprägt und daher deterministisch für die Leistung ist. Vielmehr summieren sich viele geringfügige Geschlechtsunterschiede, die beim Darts einen Vorteil der Männer gegenüber Frauen erzeugen
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Foto-Credit: Taylor Lanning & Lawrence Lustig/PDC
[mvdb]
