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Der neue Premier League Modus: Top oder Flop?

Dienstag, 14. Juni 2022 12:00 - Dart News von dartn.de

Der neue Premier League Modus: Top oder Flop?

Mini-Turniere mit Tagessiegern statt Spieltage mit möglichen Unentschieden: Der Modus der Premier League Darts hat sich 2022 radikal verändert. Zum Besseren? Die Darts-Fans sind zwiegespalten. Wir fassen die Pro- und Contra-Argumente zusammen - auch mit statistischen Fakten von Dartsorakel und einer Einordnung des diesjährigen Niveaus.

Nach vier Monaten und zehn Tagen endete am Montag, dem 13. Juni die Premier League 2022. Das prestigeträchtige und mit einer Million Pfund am zweithöchsten dotierte Turnier der PDC erstrahlte dabei in neuem Glanz, mit radikal verändertem Modus. Statt zehn wurden nur noch acht Spieler eingeladen, die an jedem der 16 Abende vor den Playoffs ein Mini-Turnier mit Viertelfinale, Halbfinale und Finale spielten. Alle Spiele wurden im Modus Best of 11 Legs gespielt, Unentschieden entfielen. Für die Gesamttabelle erhielt der Tagessieger fünf Punkte, der zweite Finalist drei und die Halbfinalisten zwei. So fanden an jedem Abend, an dem keiner der Spieler ausfiel, sieben statt fünf Spiele ab.

Die Entscheidung der PDC, den Modus zu verändern, stieß in Teilen der Darts-Welt auf Begeisterung, in anderen Teilen aber auf wenig Freude. Manche änderten ihre Meinung im Laufe des Turniers, andere fühlten sich bestätigt. Wie zwiegespalten die Fans sind, zeigen unsere beiden Umfragen. Wir fragten im Dartn-Forum und auf Instagram, ob unsere Leser den Modus besser, schlechter oder etwa gleich gut als den vorherigen finden. Die Ergebnisse waren auf beiden Plattformen unterschiedlich. Während im Forum 53 Prozent den vorherigen Modus bevorzugten, fanden auf Instagram 55 Prozent mehr Gefallen an den Mini-Turnieren. Keine klare Sache - also müssen wir tiefer graben und die Argumente auf die Waage stellen.

Pro Miniturniere: Jeder Abend spannend

"Every match matters!", titelte die PDC bei der Verkündung des neuen Modus. Jeder Abend hat einen eigenen Sieger, und das zusätzlich zur parallel aktualisierten Gesamttabelle, die für die Playoffs relevant ist. Somit gibt es an jedem Abend einen Spannungsaufbau bis zum Schluss, der die Zuschauer an den Fernsehgeräten hält. Das Finale will schließlich niemand verpassen, während das fünfte Spiel eines normalen Spieltags unter Umständen entbehrlich ist.

Unter den Tagessiegern war indes einige Abwechslung geboten. Jonny Clayton gewann viermal, Michael van Gerwen dreimal, alle anderen zwei- oder einmal. Lediglich vom 4. auf den 5. Spieltag erlebten wir denselben Tagessieger zweimal nacheinander, keine Finalpaarung gab es öfter als zweimal. So konnte das relativ ausgeglichene Teilnehmerfeld die in diesem Modus mögliche Abwechslung im ersten Jahr ausreizen.

Der wohl größte Vorteil der Mini-Turniere ist die Aufwertung des Abends im Einzelnen. Klar, eingefleischte Darts-Fans schalten immer ein. Aber die Masse, die es für die PDC aus finanziellen Gründen abzuholen gilt, hat bei einem Mini-Turnier mehr Gründe, mal zwischendurch einen Abend mitzunehmen und den nächsten dann eventuell wieder nicht. Halbfinale, Finale, Turniersieg - das ist handfester als fünf mehr oder weniger lose Spiele.

Contra Miniturniere: Immer wieder dasselbe?

Die Darts-Welt hat viel mehr zu bieten als acht Top-Spieler. Insbesondere in den letzten Jahren sind viele hochinteressante und hochtalentierte Spieler dazugekommen. Der Schritt zurück von zehn auf acht Premier-League-Teilnehmer steht dem diametral entgegen. Uns haben viele Zuschriften erreicht, wonach 16 Abende mit immer denselben Spielern und sich oftmals wiederholenden Duellen auf Dauer für Langeweile sorgt. Insgesamt gab es sechs Duelle, die sechsmal oder sogar siebenmal gespielt wurden.

Es gibt einige Elemente des alten Modus, die vor allem eingefleischte Fans vermissen. Dazu gehört die Judgement Night, in der früher nach dem 9. Spieltag zwei der zehn Spieler ausschieden. Diese war früher ein Abend mit besonderer Spannung. Auch hatten viele Gefallen an den möglichen Unentschieden, die es sonst in keinem Turnier gibt. Der Grand Slam of Darts ist mit seiner Gruppenphase nunmehr das einzige PDC-Turnier, in dem nicht jedes Spiel einen K.o.-Charakter hat. Die geringe Spieldauer mag zudem kurzweiliger sein, beschert dem Spieler mit Anwurf aber einen immensen Vorteil.

Ein besonders großer Kritikpunkt am neuen Modus ist die Punktevergabe. Nach aktuellem System ist ein Halbfinalsieg weniger wert als ein Viertelfinalsieg. Viele Befürworter des neuen Modus fügten zu ihrer Stimme ein "aber die Punktevergabe muss verbessert werden" hinzu. Möglich wäre einerseits, alle Siege gleich zählen zu lassen, oder aber für das Halbfinale einen, für das Finale zwei und für den Sieg vier Punkte zu vergeben, um den Titel noch ein wenig aufzuwerten.

Das gesunkene Niveau der Premier League 2022 - wegen des Modus?

Wir verlassen die Ebene der Meinungen und betreten die Ebene der Fakten, geliefert von den Kollegen von Dartsorakel. Die Zahlen bestätigen, was viele Fans vermuten: Das Niveau der Premier League 2022 ist im Fünf-Jahres-Vergleich das niedrigste. Zum Vorjahr ist der Gesamt-Average ohne Playoffs um 1,67 Punkte gesunken, zudem gab es um 0,2 weniger Averages über 100 pro Spiel. Im letzten Jahr kamen sieben Spieler auf einen Turnieraverage über 97 Punkten, in diesem Jahr zwei.

Nun gibt es Grund zur Vermutung, dass dies mit dem Modus zusammenhängt - nicht zuletzt durch Aussagen von Gerwyn Price, der die gestiegene Belastung durch den neuen Modus bemängelte. Sind die Spieler müder und deshalb nicht mehr so leistungsfähig? Belegbar ist diese Theorie nicht, die Zahlen von Dartsorakel deuten eher nicht darauf hin. Im Halbfinale und Finale der Miniturniere stiegen die Averages jeweils, Ermüdung während der Abende war somit kein Problem. Außerdem ist das Niveau nicht nur in der Premier League, sondern in sämtlichen Majors des Jahres gesunken, von der WM über das Masters bis zu den UK Open.

Das sind die Turnieraverages der Premier League im Vergleich zu anderen Major-Turnieren (präsentiert von Dartsorakel):

Turnier

2018

2019

2020

2021

2022

Premier League (ohne Playoffs)

96,65

96,87

96,98

97,60

95,93

WM

94,50

92,15

92,59

93,33

91,88

UK Open

88,64

90,15

91,80

93,08

90,87

Masters

97,68

94,33

93,92

97,87

95,56

 

Der Frühling 2022 war mit Blick auf die Averages nicht gerade der beste, den die PDC hatte. Alle Turniere genommen, spielten zwischen Januar und Juni 2021 insgesamt 18 Spieler im Schnitt mehr als 96 Punkte pro Aufnahme, im selben Zeitraum 2022 jedoch nur elf. Im letzten Jahr wurde das Average-Ranking des Frühjahrs von fünf Premier-League-Spielern dominiert, in diesem Jahr stehen mit European-Tour-Star Luke Humphries und Damon Heta zwei andere Spieler unter den Top drei.

Wahrscheinlicher als ein Zusammenhang mit dem Modus ist also eher, dass die Premier-League-Teilnehmer 2022 nicht in der Bestform waren - die Verletzung von Gerwyn Price ist natürlich ein Teil dessen. Dabei mag die hohe Belastung eine Rolle spielen, diese ist aber wohl weniger innerhalb des Modus als in der Turnierdichte und den vielen Exhibitions zu finden, die die Top-Spieler weiterhin mitnehmen.

Der neue Modus hat Gerechtigkeits-Schwächen

Neben dem Punktesystem verzerren zwei weitere Schwächen des Modus, die in der Betrachtung betont werden müssen, den sportlichen Wettbewerb. Eine davon haben wir angeschnitten: Der Vorteil des Anwurfs in einem Spiel, bei dem sechs Legs zum Sieg genügen. In 57,84 Prozent der Spiele gewann derjenige, der das erste Leg begann. Deutlich wird es aber, wenn ein Spiel ins Entscheidungsleg ging. 29-mal war das der Fall, 25-mal setzte sich der Spieler bei eigenem Anwurf durch. Soll heißen: Duelle auf Augenhöhe gingen fast immer an denjenigen, der diesen entscheidenden Vorteil hatte. Dies versucht die PDC durch eine möglichst gerechte Verteilung des Anwurfs zu vermeiden

Für den Spielplan gilt das genauso. Dabei geht es nicht nur darum, jedes Viertelfinalduell gleich oft vorkommen zu lassen, sondern auch bei den Halbfinalduellen eine gewisse Ausgewogenheit zu haben. Allerdings lässt die Tatsache, dass die Duelle zwischen Michael Smith und Michael van Gerwen sowie Michael Smith und Jonny Clayton (je sieben Begegnungen) die häufigsten waren, darauf schließen, dass Smith einen Wettbewerbsnachteil hatte. Der Bully Boy traf fünfmal im Halbfinale auf einen der beiden Top-Spieler der Tabelle, die vor ihm stehenden James Wade, Joe Cullen und Peter Wright dagegen nur dreimal. Gänzlich eliminieren lassen sich gewisse Verzerrungen in diesem Modus nicht.

Für die PDC ein Erfolg

Dass die PDC das neue Format beibehalten wird, gilt als sicher. Barry Hearn sprach jüngst im Weekly Dartscast über gestiegene Einschaltquoten, eine höhere Auslastung in den Sälen und ein deutlich gestiegenes Interesse in den Wettbüros, weil jeder Abend einen Sieger hervorbrachte. "Ich war überrascht darüber, wie gut es funktioniert hat", so Hearn. Im Lichte dieser Aussagen ist es keine Frage, dass der alte Modus Geschichte bleibt, da der neue mehr Geld einspielt. Offen bleibt damit lediglich, ob das Punktesystem überarbeitet wird.

Weitere Informationen zur Premier League 2022:

Alle Informationen zum Turnier gibt's auf unserer [Premier League Turnierseite]
Für Diskussionen und Fragen zum Turnier [Dart Forum]

Foto-Credit: Lawrence Lustig (PDC)

[dj]

Quelle: dartn.de

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